Patientin 3

Das kann ich ganz alleine

Kaum zu glauben, dass meine 15 Wochen (19.07.-28.10.2017) in Gut Zissendorf nun schon so gut wie vorüber sind. Meine Bezugstherapeutin hat mir von einem ganz interessanten bildlichen Vergleich erzählt, der sich sehr gut auf mein Leben übertragen lässt. Bevor ich herkam, befand ich mich auf einer Autobahn. Sie nennt sich „Angst“. Um auf dieser Autobahn voran zu kommen, brauchte ich einen Treibstoff – das war der Alkohol. Er ließ es mich auf dieser Straße, die sich stetig durch mein Leben zog, aushalten und half mir dabei, auf ihr irgendwie zu überleben. Mir wurde hier ein anderer Weg gezeigt. Ein kleiner, unscheinbarer Weg. Ein Trampelpfad, der offensichtlich schon lange neben meiner großen und mir vertrauten Autobahn der Angst existierte. Dem ich aber noch nie wirklich Beachtung geschenkt hatte, weil er mir zu unsicher und unbekannt war. Dieser Weg heißt „MUT“ und er machte mir Angst. Ich wurde an die Hand genommen und ich habe es geschafft, diesen Weg Stück für Stück zu beschreiten. Immerzu das Getöse meiner Autobahn im Nacken. Ich merkte, dass mich mein Treibstoff, der Alkohol, auf diesem Weg nicht voran bringen würde und ich musste nach und nach herausfinden, womit ich auf diesem Weg des Mutes nach vorne kommen kann. Ich habe die NEUGIERDE gefunden. Und die HOFFNUNG und die FREUDE. Sogar die VORFREUDE auf Neues. Mit diesen Kraftstoffen werde ich es schaffen, mich immer weiter von meiner Autobahn der Angst zu entfernen und meinen Trampelpfad des Mutes zu erkunden und auszubauen. Dieser Weg, der mir hier gezeigt wurde, wird nun zu MEINEM Weg.

Ich habe Angst – und tue es trotzdem

Ich danke meiner Bezugstherapeutin, sie hat meine Ängste ernst genommen und es geschafft, dass ich den Glauben an mich selbst wiederfinden konnte. Ich danke allen Therapeutinnen, die mich gestärkt und aufgebaut haben, auch für die knallharten Tritte in den Arsch, die ich ab und an gebraucht habe. Danke an meine Ergotherapeutin, die mir geholfen hat, mich selbst und meinen Körper ein Stück besser zu verstehen und zu akzeptieren. Vielen Dank an meine liebe Gruppe 4, die mich zurück auf meinen Weg gebracht hat, als ich mich wieder auf meiner Autobahn verirrt hatte und aufgeben wollte. Und natürlich DANKE an all meine Mitpatientinnen, die mich auf meinem Weg Richtung Mut aus der Angst begleitet haben und mir durch ihre liebevolle Art gezeigt haben, dass ich gar nicht so viel Angst zu haben brauche. Dank Euch habe ich erkannt…

…ich brauche keinen Alkohol, um mutig zu sein – DAS KANN ICH GANZ ALLEINE!

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