Patientin 7

Abschied von Zissendorf

Vor 16 Wochen vorne durch das Tor gekommen und dabei doch sehr benommen. 16 Wochen wird das nun mein zu Haus, „oh weh was für ein Graus“.
Die Dame am Empfang, höflich und nett, zeigt mir ganz adrett den Weg zur Pflege, auch dort ist man ganz korrekt.
Eine Patin für mich steht bereit, was mich sehr erfreut. Sie zeigt mir Zimmer, Haus und Hof und auch Einiges, was man am Anfang findet doof.

Über die Unterkunft, na ja da meckern manche, das ist klar. Es stört der Lampe helles Licht, die Einrichtung gefällt so manchen nicht. Das Frühstücksei zu harte, und ach, die Salate nicht nach HausmannsArte. Manch einer aber auch verwirrt, Brötchen, Käse, Joghurt, was wohl aus mir wird. Der Kaffee fad, das Obst zu hart. Dann fehlen mal Sahne und auch Zucker und die gute deutsche Markenbutter.

Ich habe oft daran gedacht, was so ein Mensch zuhause macht, vielleicht ist dort ein böser Mann ein unmöglicher Haustyrann.
Zuerst gab es viele Tränen und auch Frust, die Ärztin darf ich erwähnen, hat alles wohl gewusst.
Dann kommen die Gespräche, Ziele meinerseits werden gesetzt, erkennen meiner Grenzen und ich werde dabei nicht mal verletzt.
Ich eile schnell zur Gruppe, hier spricht jeder über sich und seine Not, wir dürfen auch mit weinen, hier gibt es kein Verbot.

Kunst und Ergo am Anfang ganz und gar nicht mein Ding, und nun steck ich da mittendrin.
Gymnastik, Leute welch ein Vergnügen ganz leicht bekleidet auf der Matte liegen, das Köpfchen recken wie ein Schwan, so fängt die erste Übung an. Dann flink das Becken angehoben, den Oberkörper nach links geschoben, damit die Lunge durch das Volumen wird auch angehoben. Atmen in das Powerhaus, dann gehst du hier mit ganz viel Power raus.

Mit dem Rad fuhr ich durch Wälder und auch Felder, wir werden alle langsam älter.
Lange Rede kurzer Sinn, 16 Wochen sind nun dahin, ich war ganz tief in meiner Seele drin und starte nun meinen Neubeginn.

Martin Luther King sagte einmal:
„Wir haben gelernt wie Vögel zu fliegen und wie Fische zu schwimmen, - aber wir haben verlernt wie Menschen zu leben.“

Hiermit danke ich dem ganzen Team im kompletten Haus, dass ich nun wieder als Mensch geh nach Haus.

Fachklinik Gut Zissendorf
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