Ehemaligentreffen und Fachtagung für Selbsthilfegruppen am 13. Mai 2017

Ein gelungener Tag unter dem Thema: Kann der Mensch sich ändern?

Zum Austausch über dieses Thema trafen sich die Ehemaligen Patientinnen der Fachklinik Gut Zissendorf und die Teilnehmer/Innen der Zissendorfer Fachtagung für Selbsthilfegruppen in der Fachklinik Gut Zissendorf in Hennef. Das jährliche Ehemaligentreffen und die bereits 12 Fachtagung waren zahlreich besucht. Über 100 Anmeldungen waren in der Klinik eingegangen und wie immer gab es noch ein paar Kurzentschlossene. Beide Gruppen waren herzlich eingeladen auch Ihre Familien mitzubringen und so freuten wir uns in diesem Jahr über eine große Anzahl Kinder, die mit Freude die Angebote im Kinderhaus, wie Kinderschminken oder das künstlerische Gestalten in der Kunsttherapie mit Freude ausprobierten.

Auch die jährliche Tombola hielt die eine oder andere Überraschung, nicht nur für unsere Kleinsten bereit.

Wie in jedem Jahr begann unser Treffen mit einem gemeinsamen Gottesdienst und nachdem im Anschluss Zeit für ein herzliches Hallo bei einer Tasse Kaffee genutzt worden war, begrüßte die therapeutische Leiterin Ingrid Vianden-Gabriel, gemeinsam mit Frau Andrea Stollfuß, Bundes- und Diözesanvorsitzende des Kreuzbundes alle Teilnehmer/Innen aufs herzlichste.

Tagung 2017 1 

Nach einem Überblick über die Ereignisse des letzten Jahres in der Fachklinik Gut Zissendorf hielt die Dipl. Psychologin Petra Uhlenbrock aus Hennef einen Vortrag im Dialog mit den Teilnehmer/Innen zum Thema der Tagung.
Ihre erste Botschaft lautete: Ob sich die Menschheit insgesamt oder Gruppen von Menschen ändern können, mag man bezweifeln. Der einzelne Mensch kann sich ändern, wenn er will.
Wie Jede(r) weiß, ist das nicht einfach. Und so stellte sie eine Formel vor:

Gleichung

Keine Angst, das ist keine Algebra für Fortgeschrittene. Aber die (nicht evaluierte) Formel benennt die Einflussfaktoren auf unsere Veränderungsbereitschaft und zeigt die Beziehungen zwischen ihnen auf. Durch die Potenzierung der Motivation soll deren Schlüsselfunktion hervorgehoben werden.

Zu Motivation gehören

  • Persönlichkeit
  • Leidensdruck
  • Lebenserfahrung
  • Glaubenssätze
  • Vision/Traum und Ziele.

Ressourcen entstehen durch

  • Vorbilder, soziale Unterstützung
  • Hilfesystem
  • Materielle Mittel, Sicherheit
  • Informationen
  • Erprobungsmöglichkeiten

Widerstände kommen durch

  • Persönlichkeit
  • Glaubenssätze
  • Gewohnheiten und Tabus
  • Sonstige Belastungen

„Kosten“ betreffen

  • Materielle Situation
  • Emotionaler Aufwand
  • Soziale Situation und Hilfesystem
  • Informations- und Hilfebeschaffung.

Die Vielzahl der Einflüsse veranschaulicht die Komplexität. Einige wie z.B. die Persönlichkeit können je nach Ausprägung förderlich sein oder die Veränderungsbereitschaft behindern. Man kann gedanklich im konkreten Einzelfall die einzelnen Faktoren mit Zahlen von 1 – 10 belegen, um so zu einer individuellen Gewichtung zu kommen. Frau Uhlenbrock führte mit zwei Protagonistenpuppen „Herbert“ und „Waltraud“ (siehe Foto unten) die Vielschichtigkeit vor, welche es so schwer macht zu erkennen, ob Jemand eine Veränderung in Angriff nehmen wird oder nicht. Zu allem Überfluss hält das Leben auch noch „Joker“ in Form von Sondereinflüssen bereit, die sich der Rechenhaftigkeit einer Formel entziehen. Das kann ein Glücksfall sein, wenn die depressive Waltraut ihre Jugendliebe wieder trifft, aber auch ein Unglücksfall, z.B. ein Verkehrsunfall, der den süffelnden Herbert zur Räson bringt.

Tagung 2017 2

Im zweiten Teil des Referates stellte Frau Uhlenbrock ihr „3-Phasen-Programm der Transformation“ vor, das zu umfangreich ist, um es hier ausführlich darzustellen (siehe Abbildung des Flipcharts unten). Kurz gesagt beschreibt es die gefahrvolle Überfahrt der Auswanderer über den Atlantik bis zur glücklichen Ankunft auf dem neuen Kontinent als Metapher für einen gelungenen Veränderungsprozess. Es lohnt sich, das Konzept auf ihrer Homepage anzusehen: www.petra-uhlenbrock.de/Philosophie.

Tagung 2017 3

Nach dem leckeren Mittagessen im sonnigen Innenhof der Klinik gab es noch Gruppentreffen für die ehemaligen und aktuellen Patientinnen mit einem regen Austausch unter Anleitung der Bezugstherapeutinnen, einen weiterführenden Workshop zum Tagesthema , Kreativangebote für die Kinder, Tombola und mit der Null-Promille-Bar köstliche alkoholfreie Drinks und Rezepte. Ein lohnender Tag in jeder Hinsicht!

Das Ehemaligentreffen/die 13.Fachtagung für Selbsthilfegruppen 2018 finden

am 12.Mai 2018 statt.

Bitte denken Sie daran, sich auch im nächsten Jahr frühzeitig (bis zum 27.04.2018) anzumelden. Vielen Dank!

Von Reinhard Metz und Ingrid Vianden-Gabriel

Fachklinik Gut Zissendorf
Gut Zissendorf
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